Das Drama-Dreieck erkennen und durchbrechen – privat und im Job
- Ch.Steinleitner
- 6. Jan.
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 7. Jan.

Wenn dein Alltag zum Psycho-Spiel wird
„Ich kann nicht mehr. Mein Chef gibt mir ständig unmögliche Aufgaben, und wenn ich scheitere, bin ich schuld. Meine Kollegin springt ein, übernimmt alles für mich – nur um mir dann vorzuwerfen, dass ich nichts auf die Reihe kriege. Und ich? Ich fühle mich wie ein hilfloses Opfer, das nichts richtig macht.“
Als Thomas (Name geändert) mir das in der Beratung erzählt, erkenne ich sofort das Muster: das Drama-Dreieck – ein psychologisches Spiel, das Energie raubt, Konflikte verschärft und Menschen zermürbt. Das Tückische daran? Alle Beteiligten wechseln ständig die Rollen, und niemand merkt, dass sie Teil eines Systems sind, das niemals zu einer Lösung führt.
Im Beruf wie auch im Privatleben kann das Drama-Dreieck verheerende Folgen haben: Stress, Konflikte, Überlastung, fehlende Produktivität oder zerstörte Beziehungen.
In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du das Drama-Dreieck erkennst, warum es so hartnäckig ist und wie du daraus aussteigen kannst – für dich selbst und dein Umfeld.
Was ist das Drama-Dreieck?
Das Drama-Dreieck wurde vom Psychologen Stephen Karpman in den 1960er Jahren entwickelt. Es beschreibt ein destruktives Beziehungsmuster mit drei Rollen:
- Verfolger/in (Täter/in)
- Opfer
- Retter/in
Das Tückische: Diese Rollen sind nicht fix. Menschen wechseln ständig zwischen ihnen. Und jeder glaubt, im Recht zu sein:
Die Verfolger:innen meinen, sie müssen hart durchgreifen.
Das Opfer fühlt sich wirklich hilflos.
Die Retter:innen glauben, die Welt retten zu müssen.
Doch niemand löst das eigentliche Problem – das Drama-Karussell dreht sich immer weiter.
Die drei Rollen im Detail
Verfolger/in (Täter/in):
Kontrolliert, kritisiert, beschuldigt
Sieht Fehler bei anderen
Glaubt: „Wenn die anderen endlich mal richtig arbeiten würden …“
Nutzt Druck und Macht
Fühlt sich oft selbst gestresst
Opfer:
Fühlt sich hilflos und überwältigt
Gibt Verantwortung ab
Glaubt: „Ich kann das nicht“
Sucht nach Retter:innen
Sieht keine eigenen Handlungsmöglichkeiten
Retter/in:
Springt ein, auch wenn niemand fragt
Löst Probleme für andere
Glaubt: „Ohne mich geht es nicht“
Braucht das Gefühl, gebraucht zu werden
Verhindert, dass andere selbstständig werden
Wichtig: Keine dieser Rollen ist „echt“. Sie sind Masken, erlernte Strategien, die das Drama am Laufen halten.

Wie das Drama-Dreieck im Alltag aussieht
Szenario 1: Team-Drama
Situation: Maria gibt Lukas eine knappe Deadline. Lukas ist überfordert und wendet sich an Sophie, die sofort hilft.
Rollen: Maria = Verfolgerin, Lukas = Opfer, Sophie = Retterin
Folge: Lukas gewöhnt sich an Soforthilfe. Sophie fühlt sich wichtig, arbeitet aber ständig mehr. Maria ist frustriert. Bald kippen die Rollen: Sophie wird Verfolgerin, Maria Opfer, Lukas schwankt.
Szenario 2: Fehlerkultur
Situation: Ein Projekt scheitert, der Chef sucht Schuldige.
Rollen: Chef = Verfolger, Teammitglied = Opfer, Kollege = Retter
Folge: Niemand löst das Problem. Fehler werden verschleiert. Das Team lernt, Probleme zu verstecken.
Szenario 3: Helfersyndrom
Situation: Markus hilft Anna ständig ungefragt.
Rollen: Markus = Retter, Anna = Opfer
Folge: Anna traut sich nicht, selbst Entscheidungen zu treffen. Wenn sie Fehler macht, wird Markus Verfolger. Ergebnis: Entwicklung stagniert, Konflikte bleiben bestehen.
Du erkennst diese Muster in deinem Team oder bei dir selbst?
In einem vertraulichen Erstgespräch schauen wir gemeinsam auf die Dynamiken in deinem beruflichen Umfeld und entwickeln Strategien, wie du aus diesen destruktiven Mustern aussteigen kannst.
Warum das Drama-Dreieck so hartnäckig ist
Es fühlt sich bekannt an: Wir haben Rollen oft in der Kindheit gelernt. Unser Gehirn liebt Vertrautes – auch wenn es destruktiv ist.
Kurzfristige Belohnungen:
Verfolger: Macht und Kontrolle
Opfer: Aufmerksamkeit, keine Verantwortung
Retter: Bedeutung, Bestätigung
Selbstverstärkend: Je länger es läuft, desto stärker verfestigen sich die Rollen.
Perspektivblindheit: Jeder sieht nur seine eigene Sicht – das große System bleibt unsichtbar.
Wie du das Drama-Dreieck erkennst
Bei dir selbst
Verfolger: Du denkst: „Warum kapieren die das nicht?“ Du suchst Fehler und bist schnell genervt.
Opfer: Du fühlst dich hilflos, überfordert, wartest auf Rettung.
Retter: Du übernimmst Aufgaben ungefragt, fühlst dich wichtig, wirst frustriert, wenn deine Hilfe nicht anerkannt wird.
In deinem Team
Ständige Schuldzuweisungen
Probleme werden nicht gelöst, sondern wiederholen sich
Einzelne arbeiten immer mehr als andere
Kommunikation geprägt von Vorwürfen
Entscheidungen werden verschoben oder weitergereicht
Typische Sätze:
„Ich wusste, dass das schiefgeht“ (Verfolger)
„Ich kann nicht mehr“ (Opfer)
„Lass mich das machen“ (Retter)
In der Unternehmenskultur
Fehler werden bestraft, nicht analysiert (Verfolger-Kultur)
Hierarchien fördern Abhängigkeit (Opfer-Kultur)
Helden-Mentalität: Einzelne opfern sich auf (Retter-Kultur)
Schritte, um auszusteigen
1. Deine Rolle erkennen
Notiere: Welche Rolle nimmst du am häufigsten ein? Wann rutschst du automatisch hinein?
2. Stoppe den automatischen Reflex
Halte inne, atme, frage dich: „Will ich jetzt so reagieren?“
Beispiele:
Verfolger: Statt „Warum hast du das verbockt?“ → „Was ist passiert? Wie lösen wir es?“
Opfer: Statt „Ich kann das nicht“ → „Ich brauche mehr Infos/Zeit. Können wir das besprechen?“
Retter: Statt „Lass mich das machen“ → „Wie kann ich dich unterstützen, dass du es selbst schaffst?“
3. Wechsle ins Winner-Dreieck
Verfolger → durchsetzungsstark, klare Kommunikation, Grenzen setzen
Opfer → verletzlich, aber verantwortlich, Handlungsspielräume nutzen
Retter → unterstützend, befähigend, keine Lösungen aufdrängen
4. Praktische Übungen
Drama-Tagebuch: Eine Woche dokumentieren, wann du welche Rolle einnimmst.
Perspektivwechsel: Situationen aus drei Blickwinkeln schreiben: deine, andere, neutraler Beobachter.
Verantwortungsfrage: Wer ist wofür verantwortlich? Was ist neutral?
24-Stunden-Check: Auf emotionale Nachrichten nicht sofort reagieren, zuerst schreiben, schlafen, dann prüfen.
Team-Check-in: Rollen und Dynamiken einmal pro Woche/Monat reflektieren.
Du möchtest diese Muster in deinem Team nachhaltig verändern?
In meiner Beratung arbeiten wir nicht nur an individuellen Verhaltensänderungen, sondern schauen uns die systemischen Strukturen an. Gemeinsam entwickeln wir konkrete Strategien für eine gesündere Teamdynamik.
Spezielle Situationen
Chef/in als Verfolger/in:
Nicht ins Opfer gehen, Grenzen setzen, Dokumentation führen, klare Kommunikation, ggf. Unterstützung einholen.
Kollege/in im Opfer-Modus:
Nicht retten, sondern Eigenverantwortung fördern, klare Grenzen setzen.
Du als Führungskraft:
Reflektiere eigene Muster, fördere Fehlerkultur, Eigenverantwortung und Unterstützung.
Diese Offenheit erfordert Mut, aber sie verändert alles.
Der psychologische Hintergrund
Warum wir diese Rollen spielen
Kindheitserfahrungen:
Die meisten Drama-Rollen lernen wir als Kinder. Warst du das Kind, das immer die Geschwister gerettet hat? Oder das, das für alles verantwortlich gemacht wurde? Oder das, das gelernt hat, hilflos zu sein, um Aufmerksamkeit zu bekommen?
Diese frühen Muster sind tief eingraviert. Sie laufen automatisch ab, wenn wir gestresst sind.
Sekundärgewinne:
Jede Rolle hat versteckte Vorteile:
VerfolgerIn: Gefühl von Macht und Kontrolle
Opfer: Keine Verantwortung, Aufmerksamkeit
RetterIn: Gefühl von Bedeutung und Unverzichtbarkeit
Diese Vorteile sind der Klebstoff, der uns in der Rolle hält.
Angst vor Veränderung:
Wenn du aus deiner Rolle aussteigst, wird es zunächst unbequem. Das System wird versuchen, dich zurückzuziehen. KollegInnen reagieren vielleicht irritiert. Das ist normal – und ein Zeichen, dass du etwas richtig machst.
Die neurobiologische Komponente
Unter Stress schaltet unser Gehirn in alte Muster. Der präfrontale Kortex (rationales Denken) wird heruntergefahren, das limbische System (Emotionen, Überlebensmuster) übernimmt.
Deshalb rutschen wir gerade unter Druck ins Drama-Dreieck. Die Lösung: Stress reduzieren, Achtsamkeit erhöhen, Muster bewusst machen.
Langfristige Veränderung
Sei geduldig mit dir
Du wirst nicht von heute auf morgen aus dem Drama-Dreieck aussteigen. Du wirst immer wieder reinrutschen. Das ist normal. Wichtig ist:
Erkenne es schneller
Steige schneller aus
Sei gnädig mit dir
Suche Verbündete
Wenn du in einem Team arbeitest: Sprich das Thema an. Vielleicht gibt es andere, die auch aussteigen wollen. Gemeinsam geht es leichter.
Arbeite an den Wurzeln
Wenn du merkst, dass bestimmte Rollen sehr tief sitzen, kann therapeutische Unterstützung helfen. Die Muster aus der Kindheit aufzulösen, macht das Leben leichter – nicht nur im Job.
Du merkst, dass die Muster tief sitzen und alleine schwer zu durchbrechen sind? In einem unverbindlichen Strategiegespräch schauen wir gemeinsam auf deine individuellen Trigger und entwickeln einen konkreten Plan, wie du nachhaltig aus dem Drama-Dreieck aussteigen kannst – privat und beruflich.
Fazit: Drama ist eine Wahl
Das Drama-Dreieck fühlt sich an wie ein Autopilot. Wie etwas, das einfach passiert. Aber die Wahrheit ist: Es ist eine Wahl. Eine unbewusste meistens, aber trotzdem eine Wahl.
Wenn du das Drama-Dreieck verstehst, wenn du deine Rolle erkennst, wenn du die Muster durchschaust – dann hast du eine Wahl. Du kannst aussteigen. Du kannst anders reagieren. Du kannst das Spiel beenden.
Das gilt für dich als Einzelperson. Und es gilt für Teams und ganze Organisationen.
Ein Team ohne Drama-Dreieck ist produktiver, kreativer, entspannter. Die Menschen haben mehr Energie für echte Arbeit statt für psychologische Spiele. Konflikte werden gelöst statt endlos wiederholt. Verantwortung wird getragen statt hin- und hergeschoben.
Das ist kein Wunschtraum. Das ist möglich. Aber es braucht Bewusstheit, Mut und die Bereitschaft, alte Muster loszulassen.
Der erste Schritt: Erkenne das Drama.
Der zweite: Steige aus.
Der dritte: Bleibe dran.
Du hast die Wahl. Jeden Tag. In jeder Situation. Drama oder Klarheit. Opfer, Verfolger, Retter – oder eigenverantwortlicher, klarer, unterstützender Mensch.
Was wählst du?
Wie du es schaffst, dich endlich zu befreien und deine Position zu stärken.
Mit der richtigen Perspektive und konkreten Strategien für deinen Berufsalltag. In einem ersten Gespräch schauen wir gemeinsam, welche Drama-Muster in deinem Umfeld wirken und wie du konkret aussteigen kannst – nicht in Monaten, sondern jetzt.

Hi! Ich bin Christine und biete
Coaching und Beratung für narzisstische und toxische Beziehungen,privat und beruflich
Fühlst du dich in deiner Beziehung ständig ausgelaugt, verunsichert oder klein gemacht? Drehst du dich in den immer gleichen Konflikten im Kreis und weißt nicht, wie du da rauskommen sollst?
Ich begleite Menschen, die in ungesunden oder toxischen Beziehungen feststecken.
Gemeinsam schauen wir uns an, was wirklich hinter den Dynamiken steckt, warum du immer wieder in solche Muster gerätst und wie du es schaffst, dich davon zu lösen.
Was ich, unter anderem, für dich tue:
Ich helfe dir zu erkennen, ob die Beziehung toxisch ist oder einfach nur herausfordernd.
Wir arbeiten daran, deine Selbstwahrnehmung und dein Selbstwertgefühl zu stärken.
Du lernst, Grenzen zu setzen und ungesunde Muster zu durchbrechen.
Ich unterstütze dich bei der Entscheidung: Bleiben, verändern oder gehen?
Falls du bereits den Absprung geschafft hast, begleite ich dich dabei, emotional zu heilen und neue, gesunde Beziehungen aufzubauen.
Mein Ansatz ist klar, empathisch und tiefgehend. Ich nehme dich ernst, ohne dir etwas schönzureden – und ich gebe dir konkrete Werkzeuge an die Hand, die dich wirklich weiterbringen. Meine Angebote sind im Premium-Bereich angesiedelt. Sie spiegeln nicht nur meine langjährige Erfahrung und fachliche Expertise wider, sondern auch das tiefe Insiderwissen, das ich über viele Jahre hinweg in der Arbeit mit komplexen Beziehungssystemen aufgebaut habe. Ich arbeite intensiv, individuell und mit nachhaltigem Anspruch.
Wenn du aktuell in einer schwierigen finanziellen Lage bist, gibt es kostenfreie oder sehr kostengünstige Angebote – zum Beispiel über Einrichtungen wie die Caritas, das Jugendamt (vermittelt und hat Adressen) oder private Beratungsstellen.
Ich bitte um Verständnis, dass ich keine kostenfreien Einzelsitzungen oder niedrigpreisige Beratungspakete anbiete.


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